Karl Weigl - Leben und Werk
Wer war Karl Weigl?
Komponist, 1881 in Wien geboren,Schüler von Alexander
von Zemlinisky, somit ein Kollege Arnold Schönbergs,
war Protégé Gustav Mahlers, blieb der
spätromantischen Schule treu, war in Wien als
Komponist erfolgreich und als Lehrer äußerst
geschätzt, mußte aufgrund seiner jüdischen
Abstammung 1938 emigrieren.
In den USA konnte Karl Weigl an seinen Erfolg leider nicht
anschließen und sein Werk geriet nach seinem Tod 1949
in Vergessenheit.
Karl Weigl war zu Beginn des 20.Jahrhunderts auf dem
Gebiete der Kammermusik, respektive Streichquartette, einer
der fortschrittlichsten Komponisten in Wien. Er wurde 1913
als "moderner Musiker" bezeichnet, der "noch
nicht den Hochgipfel seines Könnens erklommen
habe" (Dr. H.R. Fleischmann: Biographische Skizzen
moderner Musiker: XIII. Karl Weigl, Wien 1913).
Lebenslauf
Karl Ignaz Weigl wurde am 6.2.1881 in Wien geboren und
wuchs im 1. Wiener Gemeindebezirk auf. Seine Eltern waren
jüdischer Abstammung, zählten jedoch zu den
liberalen, assimilierten Juden Wiens und erzogen ihren Sohn
Karl konfessionslos. Der Vater Ludwig (1856-1902), von
Beruf Bankbeamter, liebte Hausmusik und war ein
ausgezeichneter Dilettant. Er komponierte und musizierte zu
Hause regelmäßig mit seinem Streichquartett.
Karls Mutter, Ella Gabriele (geborene Stein, 1859-1938),
ebenfalls sehr musikinteressiert, war befreundet mit Arnold
Schönberg und arrangierte für Ihren Sohn privaten
Kompositionsunterricht bei Alexander von Zemlinsky. Ihr ist
Karl Weigls erste Komposition gewidmet: die
"Ella-Gavotte, op.1" (1892).
Nach der Matura am Franz-Joseph-Gymnasium Wien, 1899,
hörte Weigl an der Universität Wien Vorlesungen
über Musikwissenschaft und promovierte im Mai 1903 bei
Professor Guido Adler mit einer Arbeit über
"Emanuel Alois Försters Leben" zum Doktor
der Philosophie. Gleichzeitig studierte er von 1899-1902 am
Konservatorium für Musik und darstellende Kunst Wien
Klavier bei Professor Anton Door und Komposition bei
Professor Robert Fuchs. Das Kompositionsstudium
schloß er mit ausgezeichnetem Erfolge ab. Fuchs und
Hermann Grädener, sein Harmonielehreprofessor am
Konservatorium, zählten zu den sogenannten Altmeistern
der "Jungwiener Schule", zu der auch Weigl
gehörte, sie aber vertraten das konservative Lager der
Wiener Musikszene (Fuchs galt als ignorant neuen
Einflüssen gegenüber). Weigls privater
Kompositionslehrer hingegen, Alexander Zemlinsky,
gehörte zu den fortschrittlichsten Lehrern Wiens der
Jahrhundertwende.
Bereits während des Studiums fiel Weigl durch
besondere Begabung auf: er konnte sich als Klaviersolist
bei Aufführungen des Konservatoriums profilieren und
seine ersten Werke öffentlich aufführen (71.Psalm
für Frauenchor und Orchester). Zudem erhielt er
zweimal den Zusner'schen Liederpreis für die
erfolgreiche Teilnahme am gleichnamigen
Kompositionswettbewerb.
Nach dem Studium trat Weigl der "Vereinigung
schaffender Tonkünstler" bei, der auch sein
Lehrer Zemlinsky, sowie Schönberg, Hoffmann und
weitere namhafte Künstler angehörten, und bei
deren Konzerten erstmals Lieder von Weigl öffentlich
aufgeführt wurden.
In der Zeit von 1904-06 wirkte Karl Weigl unter Gustav
Mahler als Solokorrepetitor an der k.k. Hofoper. In diesen
Jahren besuchte er sämtliche von Mahler gehaltenen
Proben und diskutierte mit ihm über musikalische
Probleme. Er verehrte Mahler leidenschaftlich, beteiligte
sich an einem Buch über Mahlers Symphonien und
verfaßte im Herbst 1947 seine "Erinnerungen an
Gustav Mahler". Mahler, der seinerseits wiederum Weigl
sehr schätzte, setzte sich für dessen Kammermusik
ein und erreichte damit die Uraufführung des 1.
Streichsextettes in d-moll am 13.11.1907 durch das
Rosé-Quartett und Freunde im Saale Bösendorfer
(Herrengasse). Weigls Kammermusik war Rosé bereits
1904 von Arnold Schönberg brieflich empfohlen
worden.
Nach zwei Jahren erfolgreicher Tätigkeit
verließ Weigl die Stellung an der Oper um sich
ausschließlich seinem Schaffen und seiner
Lehrtätigkeit widmen zu können, war als
Klavierbegleiter tätig und begann ab 1909 für die
Musikzeitschrift "Der Merker" zu schreiben.
Seinen ersten großen Erfolg als Komponist hatte Weigl
im Jahr 1910, als seine erste Symphonie in E-Dur in
Zürich beim Tonkünstlerfest des Allgemeinen
deutschen Musikvereines (ADMV) uraufgeführt wurde. Im
gleichen Jahr erhielt er für sein Streichquartett in
A-Dur den "Beethovenpreis" der Gesellschaft der
Musikfreunde, mit dem eine Aufführung durch das
Rosé Quartett in der darauffolgenden Saison
verbunden war, sowie ein Prioritätsvertrag der
Universal Edition mit der Verpflichtung, zehn seiner Werke
zu verlegen.
Karl Weigl war oft zu Gast im Salon von Adele Strauß,
der dritten Ehefrau des Walzerkönigs, wo er Elsa
Pazeller (1881-1943), eine gefragte Konzertsängerin
kennenlernte. Elsa und Karl gaben mehrere gemeinsame
Liederabende, bei denen in erster Linie
zeitgenössische Werke, natürlich auch von Weigl,
aufgeführt wurden. Sie heirateten 1910, ein Jahr
danach wurde ihre Tochter Maria, spätere Weigl-Piers,
geboren (einen Tag vor Mahlers Tod). Die Ehe mit Elsa hielt
nur drei Jahre und wurde 1913 geschieden, Karl und Elsa
blieben jedoch bis zu Karls Flucht nach Amerika 1938
befreundet.
Weigl erhielt die österreichische
Staatsbürgerschaft erst 1912, obwohl er
gebürtiger Wiener war. (Davor war er ungarischer
Staatsbürger.)
Im Herbst 1914 wurde ihm von seinen Kollegen am
musikwissenschaftlichen Institut Valerie Pick als private
Kompositionsschülerin empfohlen. Valerie, genannt
Vally, war die Schwester von Käthe Leichter,
entstammte einer großbürgerlichen, liberalen,
ebenfalls jüdischen Familie und war ausgebildete
Musikpädagogin. Karl und Vally verband neben der Liebe
zur Musik auch die Liebe für große Wanderungen
und Ausflüge. Karls Naturverbundenheit war so stark,
daß er jede Gelegenheit nützte, um hinaus aus
der Stadt zu gelangen. Er liebte die Wiener Hausberge und
den Wienerwald, und verbrachte in den Sommermonaten viel
Zeit in den Tiroler Alpen sowie dem Salzburger
Alpenvorland. Wenn ein größerer Ausflug zeitlich
nicht möglich war besuchte er zumindest den Stadtpark,
Prater oder Volksgarten (genaue Aufzeichnungen zu seinen
Ausflügen finden sich in seinem Tagebuch).
Mit Beginn des ersten Weltkriegs mußte Weigl seine
musikalischen Tätigkeiten unterbrechen und war 1916-17
als Zugführer in Karlovac stationiert, konnte aber der
Uraufführung seiner "Drei Lieder für Tenor
und Orchester" am 19.12.1916 "in Felduniform
anwesend" beiwohnen. In dem erhaltenen
Briefwechsel aus dieser Zeit berichtet ihm Vally vom Wiener
Musikleben, von ihrem Studium am Neuen Wiener
Konservatorium und den Stunden in Klavier und Komposition
bei Förster. Von Weigl hingegen sind mehrere kleine
Postkarten mit Notenbeispielen "für Vally"
erhalten.
Die Erlebnisse des 1. Weltkrieges und die Ablehnung des
Krieges haben sich in seiner monumentalen zweiten Sinfonie
niedergeschlagen. Der zweite Satz "De Profunctis"
trägt die Widmung "In Erinnerung an den
unbekannten Soldaten" und wurde 1924 in Bochum
uraufgeführt.
Nach Ende des Krieges wurde Weigl als Professor für
Harmonielehre, Kontrapunkt und Komposition am Neuen Wiener
Konservatorium bestellt. Vally fand in der Zeit der
Nachkriegsdepression keine Arbeit als Musikerin und ging
für 15 Monate nach Amsterdam, wo sie als
4-Sprachen-Übersetzerin arbeitete. (Die Ersparnisse
aus dieser Zeit ermöglichten den Weigls 16 ½
Jahre später die Flucht nach Amerika). Nach ihrer
Rückkehr aus Amsterdam heirateten Vally und Karl im
Dezember 1921.
Karl Weigl wurde mehrfach für seine Kompositionen
prämiert: mit dem bereits erwähnten
Beethovenpreis 1910, 1922 wurde er mit dem Preis des
"Philadelphia Mendelssohn Club" für das
achtstimmige Chorwerk "Hymne" ausgezeichnet, zwei
Jahre später erhielt er für sein Gesamtwerk den
Peis der Stadt Wien. Nach den erfolgreichen
Aufführungen der Kantate "Weltfeier" in Wien
ging Weigl mit diesem Werk auf Tournee durch das besetzte
Ruhrgebiet und besuchte während dieser Kunstreise
namhafte Künstler wie z.B. Erich Kleiber.
Im Jahr 1926 kam Karl und Vally Weigls Sohn, Wolfgang
Johannes, benannt nach Mozart und Goethe, zur Welt.
Weigl war als Pädagoge sehr beliebt, galt als
fundierter Theoretiker und bekam aufgrund seiner
erfolgreichen Lehrtätigkeit 1928 den Professorentitel
verliehen . Im Wintersemester des darauffolgenden Jahres
folgte er Hans Gàl als Lektor für Harmonielehre
und Kontrapunkt an der Universität Wien nach und
übte diese Funktion bis zum Wintersemester 1933
aus.
Die Jahre ab 1930 waren geprägt von großen
Aufführungen: Im Jänner 1930 wurde Weigls
Violinkonzert im großen Musikvereinssaal
uraufgeführt, im Februar desselben Jahres gaben die
Wiener Philharmoniker unter Wilhelm Furtwängler
ebendort die Erstaufführung des "Phantastischen
Intermezzo", und im März spielte das Wiener
Symphonie- Orchester unter Robert Heger die 2. Sinfonie bei
einem Konzert der Gesellschaft der Musikfreunde. Ein Jahr
danach, im Oktober 1931, wurde Weigls Klavierkonzert von
Ignaz Friedman und den Wiener Philharmonikern unter der
Leitung von George Szell in Prag uraufgeführt. Die
Wiener Erstaufführung dieses Konzertes wurde aus dem
Studio der RAVAG im Österreichischen Rundfunk
übertragen.
Weigl nahm aktiv Teil am Wiener Musikleben und besuchte oft
Proben und Konzerte von Kollegen. Er war in ständigem
Briefkontakt mit bekannten Komponisten und Musikern wie
Schönberg, Mengelberg, Korngold, Marx, Friedmann,
Mahler und Richard Strauss mit denen er auch private
Kontakte pflegte, wie wir aus seinen Tagebuchaufzeichnungen
wissen.
Über die folgenden Jahre bis zur Auswanderung nun ein
paar Auszüge aus Weigls Tagebuch:
Jahreswechsel 1936/37:
... mit dem abgelaufenen Jahr wenig zufrieden. An Arbeiten
nur die letzten Sätze d. IV. Symphonie; seit Monaten
große Pause; viele Skizzen. Äußere
Verhältnisse trüber denn je. Gefahr eines neuen
europäischen Krieges unmittelbar drohend (aus Spanien)
Starkes Anwachsen des Antisemitismus, dzt keine
Möglichkeit einer größeren Aufführung.
Seit September- der verzweifelt begann- ein paar neue
Schüler. Dagegen Gewißheit über Abgang der
Maremys nach Prag, was neben dem großen menschlichen
Verlust auch einen materiellen Verlust bescheidet.
Maria prächtig wie immer- hat ihr Rigorosum
bestanden. Wolfi der ewige Träumer u. Bummler- auch im
Gymnasium. Das Verhältnis zu V. immer schwankend. Mit
mir selbst unzufrieden- trotz wachsender äußerer
Anerkennung. Zukunft dunkel.
Ende 1937 schrieb er:
nette Silvesterfeier mit der ganzen jungen Gesellschaft;
wie überhaupt der ganze Aufenthalt von Wetter, Schnee
u. Geselligkeit sehr begünstigt.
Im übrigen dem Warten des letzten Jahres nichts
hinzuzufügen. Trostlose düstere Verhältnisse
(Krieg in Spanien, China, Nazi in Deutschland,
Antisemitismus in Österr.) Produktivität sehr
gehemmt, erst in den letzten Wochen gelockert. Ein
Lichtstrahl der Erfolg der neuen Quartettgesänge in
Wien und London. Keine Möglichkeit einer
Veröffentlichung oder Orchesteraufführung.
Das Verhältnis zu Vally- wie immer- schwankend. Maria
prächtig. W. veranlagungsmäßig in V´s
Spuren.
Weigl wußte, daß die Möglichkeiten in Wien
seinen Lebensunterhalt zu verdienen immer geringer wurden
und die Lebensbedingungen immer schwieriger (er notierte
den Regierungswechsel und Schuschniggs Abdankung und
Machtergreifung der N.S.D.A.P. in seinem Tagebuch). Im
März 1938 schreibt er Besprechung N. York,
Unterredung mit Roger und Salzer, ... krank vor
Nervosität...
1. Mai. 1938: Traurig mit Briefschreiben und
Englischlernen verbracht:
15. Mai 1938: Prospekt fertiggestellt
19.Mai 1938: Konzert für Mrs.Wiley beit
Reik-Bod.
Mrs Wiley, die Ehegattin des amerikan. Generalkonsuls,
hatte das Rosé- Quartett Weigls Musik spielen
gehört und erlangte mit Hilfe von Ira Hirschmann, dem
Gründer des "New Friends of Music"-Orchester
NY für Weigls Familie das für die Einreise
notwendige Affidavit.
In seinem Brief vom 3. Juni 1938 bat Weigl Schönberg
um Hilfe, Ratschläge und Weiterempfehlung in folgenden
Berufen:
Lehrer für Theorie, Klavier, Konzertbegleiter,
Korrepetitor, Lektor bei einem Verlag,
Instrumentieren,...Vallys berufl. Möglichkeiten:
Klavierlehrerin, Übersetzterin, Reisebegleiterin,
Vorleserin,...
Die letzten Monate verbrachten die Weigls mit
Vorbereitungen der Flucht und der Verabschiedung von
Freunden.
28./VI. 1938: b. Spediteur, Beginn der
Formalitäten
3./VII: 1938: Vally an Rippenfellentzündung
erkrankt
11./VII. 1938: die ganze Woche kaum auf der
Straße. Fast immer bei V.
28./VII. 1938: b. Ella zum Letztenmal?
10./VIII. 1938: Schiffkarten holl. Linie beangabt....
Stadtpk,
23./VIII. 1938: V. u.Wolfi nach Stub zur
Erholung
24./VIII. 1938: b Elsa Abd z Abschied
30./VIII. 1938: Vally v. Südbahnhof
geholt
5./IX. 1938: bei Elsa z. Abschied v.
Maria,
Sie verließen Wien im September 1938 mit ihrem
12-jährigen Sohn (die Abmeldung erfolgte am 16.9.),
kurz darauf, am 29.9. starb Weigls Mutter. Von Southhampton
aus erreichten sie mit der alten SS "Statendam"
gemeinsam mit Kurt Adler, Emanuel Feuermann u.a. am
9.Oktober New York.
Vallys Schwester, Käthe Leichter, starb im März
1942 im Konzentrationslager Ravensbrück. Weigls
Tochter aus erster Ehe, Maria, erreichte mit ihrem Mann,
Gerhart Pisk-Piers im Sommer 1939 NY.
Von seinen 44 Jahren als ausübender und schaffender
Musiker verbrachte Weigl die letzten 11 in den USA. Er war
57 Jahre alt, als er nach Amerika auswandern mußte,
seine Frau Vally 44.
Die erste Anstellung, die Weigl in New York fand war als
Lehrer des NY Philharmonic Scholarship Committee
während Vally in einer Quaker Schule nahe Philadelphia
unterrichtete. Um finanziell über die Runden zu kommen
arbeitete Karl zusätzlich an der NYPL unter Dr.
Carleton Sprague Smith, dem Leiter der Musikabteilung (
seine Arbeit bestand darin, Klavierauszüge zu
schreiben und bezifferte Bässe auszusetzten!) In der
esten Zeit lebten sie in einer kleinen Ein-Zimmer-Wohnung
(vor der Flucht wohnten sie in einer herrschaftlichen
Wohnung am Rudolfsplatz, Wien 1). Sie schickten ihren Sohn
Wolfgang Johannes, von nun an Johnny genannt, in eine
Quaker- Schule und zu einer Pflegefamilie, damit er in
einigermaßen geordneten Verhältnissen aufwachsen
konnte, während Karl und Vally sich
durchkämpften.
Laut Angaben seiner Tochter Maria (in einem Interview
aufgenommen im Juli 1986) war er in der ersten Zeit im Exil
sehr depressiv, trotzdem entstand in dieser Zeit jede Menge
an neuer Musik: ein Klaviertrio (Ira Hirschmann gewidmet),
das Cellokonzert, das 6. Streichquartett, die Viola Sonate,
Lieder (u.a. ein autobiographisches: "The
refugee"), ein Orchesterwerk: "Dances from
Vienna" u.v.a. (die bedrückende Situation in Wien
in den letzten Monaten vor der Flucht hatte seine
Produktivität stark eingebremst).
Den ersten Sommer arbeitete Weigl in der
Chicago-Summer-School (heutige Roosevelt University),
1941-42 teilzeit als Theorie- und Kompositionslehrer an der
Hartt School of Music in Connecticut. Zusätzlich
unterrichteten beide privat in ihrem kleinen New Yorker
Studio.
Trotz Empfehlungsschreiben von Persönlichkeiten wie
Bruno Walter und Richard Strauss erhielt Weigl seine erste
respektable Anstellung erst 1943 am Brooklyn College.
Die Werke Karl Weigls wurden in Amerika in erster Linie an
den musikpädagogischen Instituten aufgeführt, an
denen er unterrichtete, oder Vorträge hielt ( z.B.
"Ask the composer"). Diese Konzerte wurden oft
von lokalen Radiosendern übertragen.
Karl und Vally gaben Klavier-Duo-Abende in Form von
Hauskonzerten und einige ehemalige Schüler, z.B. Kurt
Adler, nahmen sich der Aufführung seiner Werke an.
Im Februar 1944 erhielten die Weigls die amerikanische
Staatsbürgerschaft, 1945 wird Weigl Leiter der
Theorieabteilung am Boston Conservatory (bis 1948) und
unterrichtete Studenten des American Theatre Wing in NY.
Für seine letzte Anstellung mußte er nach
Philadelphia pendeln um an der Philadelphia Academy of
Music unterrichten zu können.
Karl Weigl, dem es nicht gelang, geistig und
künstlerisch in Amerika Fuß zu fassen, verstarb
am 11. August 1949 nach längerer Krankheit.
Sein Werk umfaßt:
6 Sinfonien, einige Orchesterwerke wie die Symphonische
Phantasie
8 Streichquartette, 2 Klavierkonzerte, ein Violinkonzert,
1 Cellokonzert (noch unaufgeführt)
1 Violinsonate, 1 Viola- und 1 Violoncellosonate.
Über 100 Lieder, 3 Liederzyklen mit Streichquartett,
2 mit Orchester
Chorwerke, Kantaten wie "Weltfeier,
Frühlingsfeier"
Klaviermusik, Orgelwerke...
1 Kinderoper "Der Rattenfänger von Hameln"
........
Vally Weigl
Wir verdanken Vally Weigl, daß die Musik ihres Mannes
Karl nicht komplett vergessen wurde. Es war ihr
Wunschtraum, den Stellenwert und Bekanntheitsgrad den die
Musik Karl Weigls in Wien einst hatte, wiederherzustellen.
Sie verwaltete den Nachlaß des Komponisten und bewarb
seine Werke mit allen ihr möglichen Mitteln. Ihre
Korrespondenz mit berühmten
Musikerpersönlichkeiten, vor allem Dirigenten und
Interpreten, die sie anschrieb und denen sie Partituren und
Kritiken der Werke Karl Weigls schickte, wie auch
gesammelte Kritiken und Programmhefte befinden sich in
Familienbesitz.
Vally Weigl gründete den "Karl Weigl Memorial
Fund" und setzte sich sehr dafür ein, daß
Karls Werke in Amerika gespielt wurden und erreichte die
Uraufführung der 5.Sinfonie, der Apokalyptischen, am
27.10. 1968 in der Carnegie Hall New York unter Leopold
Stockowski und dem American Symphony Orchestra.
Weigls Musik heute
Der Nachlaß sowie der "Karl Weigl Memorial
Fund"wird von Karl Weigls gleichnamigen Enkel, der in
San Francisco lebt, verwaltet.
Die Bibliothek der Universität für Musik und
darstellende Kunst in Wien befindet sich im Besitze der
wichtigsten Liederzyklen und Klavierwerke, der
Großteil der Manuskripte liegt in amerikanischen
Archiven und Sammlungen, gedruckte Werke können
außerdem bei der American Composers Alliance (ACA)
bestellt werden.
Das Artis Quartett hat bei "Nimbus" mehrere
Streichquartette von Weigl aufgenommen.
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